Es wird viel über die sozialen Medien geredet und das Verhalten der User. Haßpostings werden angeprangert und der Verfall der Gesprächs- und Streitkultur.

Bis zu einem gewissen Grad stimmt die Behauptung, daß der Umgangston immer rauher wird. Aber in Wirklichkeit schwankt er zwischen süßlichen Likes mit Herzchen, Geburtstagswünschen und gegenseitigen Beschimpfungen. Beides gab es schon immer.

Das Unglück der sozialen Medien ist die Präsenz politischer Parteien und ihrer Funktionäre. Politiker sammeln Anhänger, vor allem fanatische Anhänger. Fanatismus ist ein Extrem und drückt sich auch extrem aus. Ist nun diese Partei oder dieser Politiker in irgendeiner Richtung extrem, wirkt sich das in seiner Sprache aus - und die pflanzt sich durch sein gesamtes Fußvolk fort. Genau solche Politiker machen sich in Facebook, Twitter und den Zeitungsforen breit. Wird nun irgendwo ein politisches Thema angeschlagen, stürzen sich die Fanatiker darauf und schon ist die unflätigste Schlacht im Gange und die Stimme der Vernunft und der Gemäßigten geht im allgemeinen Lärm unter.

Könnten Facebook, Twitter und Co es schaffen, das politische Vokabular, das auf den Seiten der Politiker gehäuft vorkommt, zu sperren, dann könnte sich langsam eine Änderung durchsetzen. Denn Politiker, vor allem radikale, werden die sozialen Medien immer intensiv nützen, erreichen sie da doch die größte Anzahl an Mitläufern, die sie als Trolle in andere Chats senden können. Ich bin sicher, das Gesprächsklima würde sich langsam aber sicher wieder entspannen. Leider fehlen dazu die Werkzeuge, auch wenn man fieberhaft danach sucht. 

Österreich hat sich in den letzten zwei bis drei Jahren füchterlich radikalisiert. Das Motto zweier unserer Parteien, jetzt unsere Regierungsparteien "Ausländer raus" hat ein Klima von Mißgunst und Ausländerfeindlichkeit erzeugt, das sich in den sozialen Medien niederschlägt. Entsprechend feindselig ist die Reaktion auf jede Äußerung eines "Gutmenschen", die sofort dem linken Lager zugeordnet werden. Besonders kennzeichnend ist die freizügige Verteilung von "links" und "rechts" - und beide Weltanschauungen (so kann man es bereits nennen) stehen einander ausgesprochen feindselig gegenüber. Bezeichnend ist die Tatsache, daß Menschen, die sich für Menschlichkeit aussprechen, als "Gutmensch" beschimpft werden. Ich finde es fürchterlich, daß "guter Mensch" zu einer Beschimpfung werden kann.

Wer Wind sät wird Sturm ernten. So sagt ein altes Sprichwort. Es ist wahr geworden.

 

Jänner 2019