Die letzten Jahre unserer Provencereisen hatten wir ein Privatquartier bei einem Gemüsegärtner nahe Eygalières. Die Familie ist sehr nett und freundlich und so sind auch ihre Haustiere, vor allem Tango.

Tango war ein Mischling und ein ausgesprochen hübscher Bursche, der viel von einem Schnauzer an sich hatte. Er schloß sich uns sehr schnell an und bald war er bei uns wie zuhause. Er teilte unsere Mahlzeiten und Spaziergänge am Abend und unsere Siesta.

Er war ein zärtlicher, liebevoller Hund und doch gegenüber anderen Rüden ein richtiger Rabauke, der sich für den stärksten Kerl der Welt hielt. Er griff sogar im fremden Revier an, nur mit Hündinnen kam er gut aus. Manchmal hatten wir alle Hände voll zu tun, um ihn zurückzuhalten.

Auf unseren Spaziergängen, meist den Kanal entlang, rannte Tango los wie ein Wilder. Wir mußten ihm erst beibringen, unterwegs zu schnüffeln und sich für die Düfte zu interessieren. Wildspuren allerdings nahm er auch im Rennen auf und war dann kaum zu halten. Eines Tages liefen uns bei einem Spaziergang in den Alpilles Wildschweine über den Weg, Tango geriet außer sich und als wir ihn unter Aufbietung aller Kräfte zurückhielten, schaute er uns an, als wären wir Vollidioten.

Tango war glücklich mit uns, trotzdem wir so dumm und unverständig waren. In einem der letzten Urlaube dort blieb er die ganze erste Nacht am Fuß der Treppe ins Schlafzimmer liegen. Er paßte auf, daß wir nicht heimlich wieder wegfuhren. Gewöhnlich verbrachte er die Nächte im Gelände und verteidigte die Gärtnerei gegen nächtlich umherschleichende Füchse. So gern er auch bei uns war, abends schenkte er uns nur einen Managerblick und sauste vorbei.

Zum Essen stellte er sich auch pünktlich ein. Am liebsten stand er vor dem Kühlschrank und wartete, ob das was für ihn drin sei. Wenn er merkte, daß das Essen kurz vor der Fertigstellung war, rannte er in den Garten und setzte sich erwartungsvoll auf die Bank vor dem Tisch, es fehlte nur noch das Lätzchen.

Tango spielte riesig gern - mit einem Tennisball oder mit einem Quietschspielzeug, da ruhte er nicht, bis er das Pfeifchen zerstört hatte. Kleine Raufspiele waren herrlich, kurz, er war ein richtiger Hund. Jeden Abend wartete er auf den Spaziergang mit ihm und sobald man die Leine ergriff, geriet er außer Rand und Band.

Er ließ uns nicht gerne allein wegfahren. Eines Tages machte er kurzen Prozeß: z meinem Entsetzen rannnte unserem Auto nach - und das auf einer stark befahrenen Straße, auf der die Einheimischen viel zu schnell unterwegs waren. Wir blieben stehen, ich öffnete die Türe zum Rücksitz und mit einem Riesensatz war Tango drin - und machte es sich gemütlich. Von da an fuhr er immer mit, wenn wir zu einer kleinen Wanderung in der Nähe unterwegs waren.

Der Abschied von Tango fiel uns immer sehr schwer. Auch Tango war unglücklich, wenn er uns packen sah. Er wäre mitgekommen und sein Frauchen hätte ihn uns sogar mitgegeben, aber ein so in Freiheit dressierter Hund wäre bei uns unglücklich gewesen. Einen Freigänger macht man nicht zum Wohnungshund.

Als wir uns von der Provence verabschiedeten wußten wir, daß das ein Abschied von Tango für immer ist. Ein Jahr später schrieb uns sein Frauchen, daß Tango in den Hundehimmel eingegangen ist.

Tango, du so sehr geliebter Hund, du wirst nicht vergessen, solange wir leben!