Er war ein kohlpechrabenschwarzer, winziger Kater mit einer ebensolchen Gefährtin im Hérault und sprach perfekt Menschlich. Wir bezogen ein gemietetes Quartier bei einem Winzer und ich räumte den Inhalt unserer Kühlbox in den Kühlschrank der kleinen Kücheneinheit. Jeder Griff in die Kühlbox beförderte eine der beiden Katzen heraus, erst dann ging es mit dem Umräumen weiter.

Seine wildere Gefährtin verschwand, Katerchen blieb und folgte mir, wohin immer ich ging. Beim Bettenmachen kroch er unter das Bett und sauste immer wieder heraus, um meine Knöchel zu fangen. Wenn ich scherzhaft mit ihm schimpfte, lachte er von den Schnurrbartspitzen bis zum Schwanzspitzchen. War ich fertig und sagte zu ihm: "Komm, Katerchen, komm!" lief er hinter mir her. Er erkundete die ganze Wohnung äußerst sorgfältig.

Beim Kochen wollte er unbedingt mithelfen und sprang auf die Arbeitsplatte in der Küche. So oft ich ihn auch hinunterdrängte, er kam immer wieder. Dann faßte ich ihn an der Nackenfalte und setzte ihn hinunter - und er blieb unten.

Nach dem Abendessen wollte er auf meinen Schoß. Ich breitete ein Handtuch auf und forderte ihn auf zu kommen. Er ließ sich häuslich nieder und schlief eine Stunde tief und fest. Ich habe das als absoluten Vertrauensbeweis gesehen. Am nächsten Abend saß er auf dem Stuhl mir gegenüber und wartete, bis ich das Handtuch ausgebreitet hatte, dann erst kam er zu mir, bohrte mir sein Köpfchen in den Magen vor lauter Ankuscheln und wieder schlief er fest seine Stunde bei mir. Danach spielte er eine Runde mit dem in einen Faden gebundenen Papierknäuel - ich hatte den Eindruck, daß er das mir zuliebe machte. Aber dann wurde er unruhig und wollte hinaus.

Eines Nachts goß es in Strömen und da stand er in der Türe und mochte nicht so richtig vor oder zurück. Zuletzt siegte aber die Sehnsucht nach seiner Gefährtin oder der Jagdtrieb und er ging seiner Wege. Morgens war er wieder da.

An dem Tag, an dem wir für die Abreise packten, war er bei uns. Mir fiel der Abschied fürchterlich schwer und auch mein Mann seufzte leise, denn mit ihm spielte Katerchen das Fangspiel. Jedes Mal, wenn er seinen Knöchel gefangen hatte, sprang er wieder zurück, setzte sich hin und lachte sein unwiderstehliches Lachen. Und wenn mir einer sagt, daß Tiere nicht lachen können, so hat er noch nie Kontakt zu einem solchen Kerlchen gehabt. Tiere lachen mit dem Körper, nicht mit dem Gesicht.

Katerchen lachte, wie schon gesagt, von den Schnurrbartspitzen bis zum Schwanzspitzchen.

Es ist lange her. Inzwischen wird es weder Katerchen noch seine Gefährtin mehr geben, jedenfalls nicht in unserer Welt. Ich hoffe aber, daß es für ihn noch ein Leben gibt, in dem er immer und immer lachen kann, dieser bezaubernde, unwiderstehliche Kater.