... geht er auf das Eis tanzen. So lautet ein altes Sprichwort, und es hat recht.

Es geht uns ausgesprochen gut, von außen gesehen in den Augen der Völkerschaften Afrikas und des Vorderen Orients leben wir in unvorstellbarem Luxus. Wir haben ein festes Dach über dem Kopf, mehr Kleidung als wir brauchen, mehr zu essen, als wir brauchen. Unsere Kinder dürfen zur Schule gehen und werden sogar abgeholt und hingebracht, es stehen ihnen weiterführende Schulen und Universitäten zur Verfügung, sie haben freie Berufswahl.

Wir haben ein Sozialsystem, das uns umfassende Kranken- und Altersversorgung garantiert.

Ein großer Teil unserer Bauern produziert Lebensmittel, um deren Qualität uns alle anderen Länder beneiden.

Unsere Städte sind sicherer als die der meisten Nachbarländer. Ich erinnere mich an einen Mailänder, der mir während eines Regengusses im Zeughaus Graz Gesellschaft geleistet hat, er war begeistert von dem Gefühl der Sicherheit, das er in unserem Land genießen darf. Wir haben kaum Probleme mit unseren orientalischen Zuwanderern. Ausnahmen bestätigen die Regel, wie es so schön heißt.

Unsere Leute machen Urlaub in der ganzen Welt, auch die Pensionisten.

Was fehlt uns eigentlich? Warum sind die Leute so unzufrieden?

Wir haben zwei politische Parteien in unserem schönen Land, denen nichts Besseres einfällt, als den Leuten einzureden, wie schlecht es uns geht. Wir haben zwar erstklassige Wirtschaftswerte, aber sie behaupten, unserer Wirtschaft gehe es schlecht. Wir haben nur einen geringen Prozentsatz an Flüchtlingen, aber sie behaupten, wir hätten zu viele. Unsere Zuwanderer arbeiten fleißig bis auf jene, denen die Arbeit nicht erlaubt wird, aber diese Parteien behaupten, sie seien faul und nur hier, um unser Sozialsystem auszunützen. Klar, solche gibt es auch, aber die sind keine Flüchtlinge und sie kommen nicht aus Afrika oder dem Vorderen Orient, sondern aus unseren europäischen Nachbarländern, wie Ungarn, Rumänien, Slowakien etc.

Diese Parteien behaupten, sie wollten Österreich sicherer machen und schieben deshalb Flüchtlinge aus Kriegsgebieten wieder in diese Kriegsgebiete ab. Abgesehen davon, daß das eine Riesenschweinerei ist: Wie sicher ist sicherer als sicher?

Unsere Datenschützer schweigen. Sie haben sich aufgeregt, als Google Street View durch unser Land fahren wollte. Sie regen sich nicht über den schwungvollen Adressenhandel auf. Sie keifen über das Internet und regen sich nicht darüber auf, daß unsere neue Regierung einen Trojaner in unsere Smartphones einschleusen möchte um zu kontrollieren, was und wohin wir telefonieren und wo und wohin wir uns bewegen. Was ist mit diesen Hin- und Herrschaften los?

Genau diese Parteien haben die Österreicher bei der letzten Nationalratswahl gewählt. Die Kloparolen haben also Früchte getragen. Denn: die Reden dieser Politiker haben grundsätzlich damit begonnen, daß man die Balkanroute schließen müsse und daß diese sozialschmarotzenden Flüchtliche ausgesperrt werden müßten. Weiter hörte ihnen keiner dieser ach so mündigen Wähler mehr zu. Sonst hätten sie gewußt, daß ihre Schafherde sich den Schlächter selbst wählt und beide Parteien den totalen Sozialabbau und den totalen Überwachungsstaat im Sinn haben.

Die Redner haben nicht gelogen. Sie haben ihr Programm schön ausgebreitet. Der Wähler hat ihnen bloß nicht zugehört. Darauf haben sie gezählt. Erst mal: Ausländer raus - das genügt für das Stimmvieh. Dann kann man ungeniert weiterplaudern.

Dabei hatten wir das schon einmal. Schwarz-Blau hat Österreich schon einmal ruiniert. Jetzt wählen unsere Supergescheiten (Bauern und sozial Schwache) wieder die gleiche Bescherung, weil Geschichte ihnen offenbar ein Fremdwort ist.

Wie oft wurde schon das Wort zitiert: "Wehret den Anfängen!" Auch das geht diesen Idioten am Hirn vorbei. Hirn? Wo? Was?

Sie wählen die Partei eines Jungspunds, der noch nie in seinem Leben gearbeitet hat, der keine Ahnung hat, was Arbeiten bedeutet, der sich einzig und allein vor Machthunger und Gier nicht retten kann und der in seinen Sprüchen die Rechtsradikalen noch rechts überholt. Sie wählen den, obwohl sie wissen, daß er auf jeden Fall mit der Rechtsradikalen Partei koalieren wird. Mit dieser Partei, die von einem Neonazi trübsten Wassers angeführt wird. Er beweist das in jeder seiner Äußerungen und sein "Team" besteht aus Burschenschaftern, die es vorziehen, die deutschen Farben zu tragen anstelle der österreichischen. Ausländerfeindlichkeit wird als Schild vor sich hergetragen. Heute sind es nicht die Juden, auf die man losgeht (es haben ja auch kaum welche im 20. Jahrhundert überlebt), es sind die Muslime. Es ist genau die gleiche Masche und das ängstigt mich.

Muß sich die Katastrophe eigentlich in jedem Jahrhundert wiederholen? Wir haben doch wieder die gleiche Bescherung, wie schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts - nur dieses Mal nicht aus Not, sondern aus zuviel Wohlstand. Langeweile?

Ich frage mich allen Ernstes: ist der österreichische Wähler eigentlich noch bei Trost????

 

(März 2018)