Rechts und links kennt jeder, zumindest sollte man wissen, wo rechts und wo links ist. Aber - und wie immer taucht ein Aber auf! - auch das wissen viele Leute nicht. Wie sollen sie dann in der Politik rechts und links unterscheiden können?

Was ist eigentlich rechts und links in der Politik? Ursprünglich bezeichnete man damit die parlamentarischen Parteien nach der Sitzordnung, wobei die bürgerliche Fraktion meist rechts saß, während die Arbeiterpartei die linke Hälfte in Anspruch nahm. Inzwischen gibt es so viele Parteien, daß eine solche Aufteilung unsinnig erscheint. Aber - schon wieder! - inzwischen hat die Definition "rechts" oder "links" nichts mehr mit der parlamentarischen Sitzordnung zu tun, sondern mit der zur Schau getragenen bzw. verbalisierten Gesinnung.

Das Problem in Österreich besteht darin, daß die Gesinnung, sofern man überhaupt von einer Gesinnung sprechen kann, sehr rechtslastig ist und "links" nur mehr eine Zuweisung von "rechts" ist.

Früher hatten wir die christlich-soziale Volkspartei (die Schwarzen), die von den Bauern und den Bürgerlichen, also Angestellten, Wirtschaftstreibenden und Beamten, gestützt wurde. Die Sozialdemokraten waren "die Roten" und eindeutig von den Arbeitern und vielen Angestellten, dem Kleinbürgertum, unterstützt. Diese sozialen Gruppen haben sich im Laufe der Zeit, mit zunehmendem Wohlstand, vermischt und damit den Sozialdemokraten den Boden unter den Füßen weggezogen. Wer braucht noch eine Partei, die für den Wohlstand des kleinen Mannes kämpft? Man bezahlt zwar unter Umständen noch den Mitgliedsbeitrag, aber die Bindung an die Partei ist verschwunden und die ursprünglichen Ziele der Partei ebenfalls.

Wo sind die Roten? Sie sitzen in ihren Pfründen und wurden fett und faul. Gewerkschaft und Wirtschaftsvertreter haben die Sozialpartnerschaft ausgehandelt und damit für sozialen Frieden in unserem Land gesorgt. Das Ergebnis ist zwar allgemeiner Wohlstand, aber auf nicht besonders hohem Niveau. Nun, der Österreicher ist im allgemeinen doch sehr bescheiden, also stört das nicht. Die kleinen Funktionäre, die den Kontakt zur Bevölkerung und zum Wähler halten sollten, sind irgendwo in der Versenkung verschwunden, die Bevölkerung merkt nichts mehr von ihnen, und kaum jemand kennt die Landesvertreter der sogenannten Sozialdemokraten. Wird dann ein Kandidat zur Wahl aufgestellt, fragt sich die Bevölkerung nur: "Wer ist denn das?" und wählt garnicht oder die Anderen.

Ja, wo sind sie, die Sozialdemokraten? Das haben wir uns auch gefragt vor der letzten Nationalratswahl. Sie haben ihren Spitzenkandidaten ins Rennen geschickt, das er praktisch allein bestritt, tapfer und mit Ambition. Er hat sich allen Schwierigkeiten gestellt mit einem guten Programm, das er ohne mediale und tatkräftige Unterstützung der Kleinfunktionäre aber eben nur in Wahlveranstaltungen rüberbringen konnte. Da hat sich dann auch herausgestellt, daß das nicht genügt. Nur Wahlveranstaltungen, zu denen ohnedies nur diejenigen gehen, die noch ein bisserl "rot" sind, sind einfach zu wenig, um den Staatsbürger zu überzeugen. Da hört er doch viel lieber auf die allgegenwärten Tiraden der anderen Fraktion, die ihm einredet, daß an allem, was ihm nicht gefällt, nur die Ausländer schuld sind, und daß der Gegenkandidat nur auf Schlammschlachten aus ist - etwas, das diese ihn kritisierenden Parteien aus dem Effeff beherrschen und eifrig praktiziert haben. Das wird dem Wähler ja nicht nur über TV und soziale Medien eingebläut, darüber reden deren Funktionäre auch in Wirtshäusern, am Stammtisch, auf den Bauernmärkten, also überall wo Leute zusammenkommen, mit den Bürgern. Man sieht sie, man hört sie, sie sind überall.

Im Gegensatz zu den Sozialdemokraten, die statt dessen Inzucht betreiben.

Damit hat sich eine ehemalige Großpartei, die wir bitter nötig hätten, selbst ins Aus katapultiert.

Wir haben nun die Regierung, die Österreich offenbar verdient, mit allem, was dazu gehört: Sozialabbau, Rassismus, Ausländerfeindlichkeit, Unterstützung der internationalen Konzerne, Abwürgen der kleinen Wirtschafts- und Gewerbetreibenden und großzügige Ausgaben für das Militär, das man gerne zum Berufsheer umgestalten möchte, damit man es leichter mißbrauchen kann. Dafür wird in die Bildung nichts mehr investiert, denn man braucht Kreuzelschreiber und Stimmvieh, gebildete Leute denken mit und sind obsolet.

Wie lange wird es noch ein Österreich geben? All das hatten wir nämlich schon mal und es endete im Desaster. Die Jugend, mit der kaum noch geredet wird, hat keine Ahnung von Geschichte und will sie auch nicht kennen, das braucht man nicht für den Job - und wählt einen Politiker, der keine Ahnung hat von Tuten und von Blasen, der nicht einmal irgendeine Ausbildung abgeschlossen hat, weil er "sou liab is". Oder "endlich einmal ein Junger!" Uff.

Das Ergebnis läßt sich sehen: er krempelt seine Partei total um (und die läßt es sich gefallen und überantwortet ihm die totale Macht!) und geht eine Koalition mit Rechtsextremen ein, deren Partei aus ehemaligen Parteigängern von Gottfried Küssel und superdeutschen Burschenschaftern besteht, die lieber die deutschen Farben tragen - das österreichische Rot-Weiß-Rot ist wohl zu schäbig? Leute, die erzählen, daß man von 150 Euro im Monat leben kann, die sich im Ausland ständig lächerlich machen und zum Glück in einem Land ohne Weltbedeutung ihr Unwesen treiben.

Das hat unser Land seinen "mündigen" Bürgern zu verdanken. Die FPÖ weiß schon, warum sie von der direkten Demokratie nur redet und tatsächlich einen weiten Bogen um sie macht.

Österreich - quo vadis?

August 2018