In den sozialen Medien und Zeitungsforen schlägt die Hochzeit der Frau Kneissl, unserer derzeitigen Außenministerin (FPÖ) hohe Wellen: sie hat es gewagt, den allseits verfemten und angefeindeten Herrn Putin einzuladen. Und er kam, mit den Donkosaken für ein Ständchen, einer hübschen Rede über "das grüne Herz Österreichs" und für ein Tänzchen mit der Braut. Das allein hätte schon genügt, sämtliche Medien und die europäischen Länder aufzuregen (was es auch tat und Herrn Putin sicherlich höchlichst amüsierte), es begab sich auch Ungeheuerliches bei diesem Tänzchen:

Frau Kneissl bedankte sich bei ihrem Tänzer mit einem förmlichen Knicks und er verbeugte sich vor seiner Tänzerin, ganz, wie es sich bei formellen Anlässen gehört!

Gehört sich das wirklich? Unser Benimm-Papst, Herr Ellmayer, bestätigt das. Es ist österreichische Tradition, wie auch der Handkuß. Auch ich habe das noch so gelernt, vor mehr als einem halben Jahrhundert.

Liest man die Kommentare der werten und mündigen Staatsbürger und Wähler, wird Erschreckendes sichtbar: der Österreicher hält von gutem Benehmen nichts. Da ist von Unterwerfung die Rede (?!), gibt es "Geistreiches" wie "Einblick ins Dekollete" bei der Verbeugung, und gegenseitige Beschimpfungen ohne Ende. Kurz und gut: der österreichische Wortmelder ist äußerst rüde und untergriffig, egal, welcher politischen Richtung er angehört.

Und er hat keine Ahnung, weder von den eigenen Traditionen noch von Stil noch von Höflichkeit.

Kehren wir ins Zeitalter der Höhlenmenschen zurück?

August 2018